Stufenplan – Bauen eines Keyboard-Flightcase

Eigentlich finden Sie in dem allgemeinen Stufenplan für ein Flightcase genügend Informationen, um ein Case für viele verschiedene Verwendungszwecke zu bauen. Schließlich sind die Grundprinzipien zum Bauen nach der Dosenmethode immer dieselben. Trotzdem fand ich es interessant, auch mal ein Projekt auszuarbeiten, wobei ich ein Flightcase für ein Keyboard baue (eigentlich in diesem Fall ein elektrisches Piano, aber das macht nicht viel Unterschied). Denn ein Keyboard erfordert doch einige zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen, weil die Pianotasten und auch die anderen Bedientasten besonders empfindlich sind.

Deshalb habe ich dieses Projekt als Stufenplan weiter ausgearbeitet. Es ist nicht beabsichtigt, dass dieser Stufenplan "an sich" gelesen wird. Denn ich werde nicht alle Grundprinzipien zum Bauen eines Flightcase wiederholen. Bevor Sie also diesen Artikel lesen, nehmen Sie am besten erst den allgemeinen Stufenplan zum Bauen eines Flightcase durch. Hier werde ich nur näher auf die Dinge eingehen, die spezifisch für ein elektrisches Piano oder Keyboard oder einen Synthesizer sind.

Schritt 1: Entwurf und Berechnung
Schritt 2: Holzkiste
Schritt 3: Schließprofile
Schritt 4: Kantenschutzprofile, L-Ecken und Kugelecken
Schritt 5: Butterfly-Verschlüsse, Scharniere und Griffes
Schritt 6: Rollen
Schritt 7: Innenverarbeitung

Schritt 1: Entwurf und Berechnung

Nebenstehend sehen Sie schon mal ein Foto vom Endergebnis. So können sie sich schon besser vorstellen, wo ich damit hin will.

Zu diesem Entwurf vorab eine wichtige Bemerkung. Dieses Case habe ich nicht für mich selbst gemacht sondern für einen Kunden. Der Kunde hat also auch die Wahl des Gegenstands getroffen. Dies ist nämlich eine Kiste mit einem tiefen Unterteil (in das das Keyboard passt) und einem niedrigen Deckel. Andere Menschen werden aber oft genau das Umgekehrte für ein Keyboard-Flightcase bevorzugen, nämliche ein sehr niedriges Unterteil und einen sehr hohen abnehmbaren Deckel. Dieser Entwurf hat den Vorteil, dass das Keyboard immer auf dem Unterteil des Case stehenbleiben kann. Sie können es mit Kiste und allem drum und dran auf die Keyboard-Stative stellen und so spielen. Dieser Kunde hat aber ausdrücklich gebeten, es nicht so zu tun. Er will zum Spielen absolut immer das Piano aus dem Flightcase nehmen. Daher also diese Wahl.

Außerdem ist es auch sehr außergewöhnlich, dass ein Keyboard-Flightcase unten 4 große Rollen hat. Viel öfter wird man für ein Keyboard Einbau-Eckrollen wählen. Aber auch dies war ein ausdrücklicher Wunsch des betreffenden Kunden.

Zuallererst notiere ich mir natürlich die Maße des betreffenden Pianos. Dabei berücksichtige ich alle eventuell hervorstehenden Knöpfe oder Füße. In diesem Fall sind es die Maße des Roland-Pianos, für das ich das Case baue: 141,5 cm x 37,5 cm x 13,0 cm. Die Höhe beträgt also 13 cm. Das ist mit hervorstehenden Bedienknöpfen aber ohne die vier Füße unten. Die Füße selbst sind ungefähr 1,5 cm hoch, aber da ich mit 2 cm dickem Hartschaum arbeiten werde, versinken diese vollständig in dem Schaumstoff. Täuschen Sie sich nicht: Hartschaum ist schon ziemlich hart und hält also über eine große Oberfläche ein relativ großes Gewicht aus. Aber weil die vier Füßchen klein sind, sinken diese nach einiger Zeit doch in den Schaumstoff (das ganze Gewicht ruht wirklich an der Stelle dieser Füße auf dem Schaumstoff, sodass es nach einer Weile doch einsinkt).

Innen bekleide ich das Case mit 2 cm dickem Hartschaum unten und an den Seiten und mit weichem 5 cm dicken Noppenschaumstoff an der Oberseite. Ferner plane ich auch eine vollständige Bekleidung mit weichem, schwarzem Luxusstoff, sodass das Case eine professionelle Verarbeitung erhält. Die Innenmaße des zu bauenden Holzcase werden also:

- Breite 146 cm (= 141,5 cm + 2x2 cm Hartschaum + 0,5 cm für Stoff und Spiel)
- Tiefe 42 cm (= 37,5 cm + 2x2 cm Hartschaum + 0,5 cm für Stoff und Spiel)
- Höhe 19 cm (= 13 cm + 2 cm Hartschaum unten + Noppenschaumstoff oben)

Die Außenmaße der Holzkiste, die wir bauen wollen, berechne ich ganz einfach indem ich zu diesen Innenmaßen überall 2 x 1 cm Holzdicke addiere. Die Außenmaße werden also:

- Breite 148 cm
- Tiefe 44 cm
- Höhe 21 cm

Ich werde erneut nach der geschlossenen Dosenmethode arbeiten. Das heißt, ich zimmere erst einen geschlossenen Holzkasten und säge diesen dann auf, um so einen Deckel und ein Unterteil zu bekommen, von dem ich sicher bin, dass der Deckel gut darauf passt. Ist der geschlossene Kasten erst einmal aufgesägt, montiere ich sofort das Schließprofil. Die Montage des Schließprofils bewirkt, dass die Holzdose eigentlich ungefähr 1 cm höher wird (weil das Schließprofil zwischen Unterteil und Deckel montiert wird). Am besten ziehen wir diesen Zentimeter jetzt schon ab. Ich werde als ein Holzcase mit diesen Außenmaßen bauen:

- Breite 148 cm
- Tiefe 44 cm
- Höhe 20 cm

Dafür säge ich beispielsweise folgende Stücke zurecht (Sägeliste):

- 2 Mal 148 cm x 18 cm
- 2 Mal 148 cm x 44 cm
- 2 Mal 42 cm x 18 cm

(Ganz nebenbei: der Deutlichkeit halber, folgende Säge liste wäre NICHT korrekt:

- 2 Mal 148 cm x 20 cm
- 2 Mal 148 cm x 44 cm
- 2 Mal 44 cm x 20 cm

Im Allgemeinen gibt es immer 3 Sägelisten, die zum Bauen einer Holzdose SCHON möglich sind. Die anderen zwei korrekten sind:

- 2 Mal 146 cm x 18 cm
- 2 Mal 146 cm x 44 cm
- 2 Mal 44 cm x 20 cm

oder:

- 2 Mal 148 cm x 20 cm
- 2 Mal 146 cm x 42 cm
- 2 Mal 42 cm x 20 cm)

Schritt 2: Holzkiste

Sie können diese mit einer normalen Handsäge sägen. Tipps dafür finden Sie in dem Artikel « Tipps für das Sägen von Holz ». Ich selbst habe mir inzwischen eine Metabo-Kreissäge mit passenden Führungen angeschafft. Es genügt, diese Führungen flach neben die mit Bleistift gezeichnete Sägelinie zu legen und dann zu sägen. So geht das Sägen etwas schneller als von Hand, aber eines sollte klar sein: ein besseres Case bekommen Sie dadurch nicht. Ganz wichtig beim Sägen ist noch immer, dass Sie die Maße ganz exakt mit Bleistift auf das Holz zeichnen und dass Sie vor allem dafür sorgen, dass Sie bei jedem gesägten Stück rechte (lotrechte) Winkel haben. Ein Winkelmaß ist also unverzichtbar, ob Sie nun mit der Hand oder mit einer Kreissäge sägen.

   

Für diese 6 gesägten Stücke, die ich brauche, bin ich konkret von einer Platte von 250 cm x 125 cm ausgegangen. Davon habe ich erst einen Streifen von 148 cm x 125 abgesägt. Aus diesem Stück säge ich dann weitere die Stücke von 148 cm x 44 cm und von 148 cm x 18 cm. Die 2 übrigen Stücke von 42 cm x 18 cm habe ich dann einzeln aus Resten, die ich noch liegen hatte, gesägt.

   

Dann genügt es, die Stücke aneinanderzukleben (mit gutem Holzkleber) und aneinander zu zimmern (beispielsweise mit 2 cm langen Nägeln ohne Kopf), und schon haben Sie die geschlossene Holzdose. Dann noch mit einer Laubsäge aufsägen, und Sie haben die zwei Teile für Ihr Case. Als Höhe für den Deckel (gemessen auf der Außenseite des Holzkastens) habe ich 5,5 cm genommen. Das ist so ziemlich der schmalste Deckel, den man machen kann, Denn schließlich muss man auch noch Platz für das Kantenschutz- und Schließprofil haben.

   

Schritt 3: Schließprofile

Nach dem Aufsägen montiere ich also die Schließprofile. Schließprofile werden jeweils auf 45 Gehrung gesägt. Die Schließprofile selbst werden nicht mit Nieten befestigt. Nur später über die L-Ecken. Eine L-Ecke wird über die Stelle gesetzt, wo Ecke und Schließprofil einander "berühren", und um das Schließprofil zu befestigen. Also montiere ich erst die Kantenschutzprofile und dann die L-Ecken.

   

Schritt 4: Kantenschutzprofile, L-Ecken und Kugelecken

Beim Nieten der Kantenschutzprofile ist es besser, nicht jetzt schon alle Nieten zu bohren und zu befestigen. Denn gleich müssen noch die Butterfly-Verschlüsse und die Deckelfeststeller mit Scharnier montiert werden. Weil ich hier mit einem sehr schmalen Deckel arbeite, wird nämlich die obere Hälfte des mittelgroßen Butterfly-Einbauverschlusses und des mittelgroßen Deckelfeststellers mit Scharnier in Einbauschale teilweise über dem Kantenschutzprofil liegen. Das ist an sich nicht schlimm, so ist das nun mal bei schmalen Deckeln, aber man muss dann bei der Verteilung der Nieten über die Länge des Kantenschutzprofils berücksichtigen, dass man an dieser Stelle keine Nieten in dem Kantenschutzprofil platziert, weil diese sonst im Weg sein könnten.

   
 

Ach ja, ganz nebenbei, warum mache ich diesen Deckel eigentlich möglichst schmal? Nun, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ein Deckel, der mit einem Scharnier mit Deckelfeststeller befestigt ist, möglichst leicht gebaut sein sollte. Ein zu schwerer Deckel hat nämlich die Neigung, die ganze Kiste kippen zu lassen, wenn man das Flightcase öffnet und das Keyboard herausnimmt.

Nach der Montage des Schließprofils ist es an der Zeit, die großen L-Ecken und die Kugelecken zu montieren. Das nebenstehende Foto zeigt, wie Sie – trotz Verwendung von großen L-Ecken – doch einen schmalen Deckel bauen können, nämlich indem die Kugelecke überlappend mit der L-Ecke platziert wird. Die L-Ecke auf dem Deckel wird in diesem Fall mit nur 2 Nieten statt 4 befestigt. Für die Montage der Kugelecken habe ich hier Nieten von 4,8 x 15 mm verwendet, weil diese doch immer etwas stärker sind als die normalen von 4,0 x 12,5 mm.

Schritt 5: Butterfly-Verschlüsse, Scharniere und Griffe

   

Außerdem montiere ich dann auch die 2 mittelgroßen Butterfly-Verschlüsse in Einbauschale und die 3 Deckelfeststeller mit Scharnier in Einbauschale. Das Aussägen der Löcher für die Scharniere in Einbauschale und für die Butterfly-Verschlüsse in Einbauschale erledige ich auch mit der Laubsäge. Darauf sitzt immer eine Säge für Metall. Damit kann man sowohl durch Holz als auch durch Aluminium sägen. Bevor ich zu sägen beginne, finde ich es praktisch, die zwei Teile des Flightcase mit zwei Spannriemen zusammenzubinden (Sie sehen den roten Spannriemen auf dem Foto).

   

Die Maße des Montagelochs, das für einen Deckelfeststeller mit Scharnier in Einbauschale gesägt werden muss, sind übrigens dieselben wie für einen mittelgroßen Butterfly-Verschluss. Die Montage ist auch genauso einleuchtend wie auf den Fotos zu sehen ist. Für die Befestigung der Butterfly-Verschlüsse und der Scharniere verwende ich die normalen Nieten von 4,0 x 12,5 mm. Nur für die Nieten, die in dem Schließprofil sitzen, verwende ich die von 4,0 x 9,5 mm, denn diese Löcher bohre ich durch die Außenseite des Schließprofils aber nicht durch die Innenseite.

 

Außerdem montiere ich entlang der 2 kurzen Seiten noch einen mittelgroßen Griff in Einbauschale. Weil das Flightcase mit Inhalt doch recht schwer sein wird, gehe ich auf Nummer Sicher und montiere diese Griffe mit extra langen Nieten von 4,8 x 19,5 mm und verwende ich entlang der Innenseite diese Verstärkungsplatten.

 

Die Montage eines Riemengriffes ist auch etwas, das man bei dieser Art von Keyboard-Case öfter sieht. Mehr darüber in dem Artikel « Tipps für die Montage eines Riemengriffes ».

Schritt 6: Rollen

In diesem speziellen Fall habe ich auch große Flightcase-Rollen unter der Kiste vorgesehen. Für deren Montage habe ich zwei Rollenplatten gesägt. Diese habe ich dann sauber abgeschmirgelt und angestrichen. Erst 2 Grundierungsschichten (Grundierfarbe), dann 2 Schichten matte schwarze Farbe. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in dem Artikel « Tipps für das Anbringen von Rollen unter dem Flightcase ».

   

Diese Art von Rollen finden Sie jedoch meistens nicht bei solchen Cases. In diesem Fall hatte es der betreffende Benutzer aber so verlangt. Diese Art von Cases hat eher entweder keine Rollen oder 2 oder 4 Einbau-Kantenrollen, oder 2 oder 4 Einbau-Eckrollen, montiert unten an der kurzen Seite.

Schritt 7: Innenverarbeitung

Dann kann ich mit der Innenverarbeitung beginnen. Erst schneide ich ein 2 cm dickes Stück Hartschaumstoff von 146 cm x 42 cm zurecht, und klebe es auf die Unterseite. Dann folgen kleinere Stücken in den Ecken und entlang der Seiten. Ich beklebe bewusst die Seiten nicht vollständig mit Schaumstoff, weil es sonst zu schwierig wird, das Piano aus dem Flightcase zu heben. Es muss also möglich sein, zwischen die Öffnungen an den Seiten noch die Hand oder Finger stecken zu können, um das Piano anzuheben. 2 cm dicker Schaumstoff schien in diesem Fall gerade ausreichend zu sein. Sie könnten auch mehr (dickeren Schaumstoff) entlang der Seiten vorsehen und beispielsweise zwei jeweils 2 cm dicke Schaumstoffstücke aufeinander kleben, sodass es noch einfacher wird, das Piano herauszuheben. Aber dann müssen Sie den Entwurf und die Berechnung der Abmessungen des Flightcase natürlich entsprechend anpassen.

 

 

 

Die Oberseite des Deckels beziehe ich erst mit dem schwarzen Luxusliner, wie auf dem nebenstehenden Foto zu sehen ist. Zuerst schneide ich ein Stück Stoff aus, das sicher groß genug ist. Den Klebstoff sprühe ich dann in die Mitte des Deckels (noch nicht auf die Ränder – ich bleibe sogar ein paar Zentimeter von den Rändern weg). Sprühen Sie auch Klebstoff auf die Rückseite des Stoffes, etwa grob in die Mitte. Legen Sie nun den Stoff auf das Case, und drücken Sie von der Mitte aus alles gut fest. Dazu reibe ich mit zwei Händen von der Mitte aus zu den Rändern hin. Dann kann sind die Ränder dran. Erst ziehe ich den Stoff ein paar Zentimeter zurück und weg von den Rändern, und dann besprühe ich den Stoff und die Ränder mit Klebstoff. Um die Innenseite der Schließprofile nicht mit Klebstoff zu verschmutzen, klebt man diese vorher besser mit Malerklebeband ab. Dann ist alles gut festgeklebt, und überschüssiger Stoff kann mit einem scharfen Cutter-Messer weggeschnitten werden.

   

Auch die Unterseite beziehe ich ganz mit dem schwarzen Stoff. Denn schließlich sorgt dieser extra Schritt für den "finishing Touch". Der Schaumstoff schützt das Piano, durch den Stoff erhält die Verarbeitung den letzten Schliff.

   

Wenn es um den Schutz des Pianos geht, dürfen wir natürlich den Schaumstoff im Deckel nicht vergessen. Am besten verwenden Sie dafür weichen 5 cm dicken Noppenschaumstoff. Ich kleide nicht gern den ganzen Deckel mit diesem Schaumstoff aus (und sollte ich es doch tun, dann hätte ich natürlich den schwarzen Stoff nicht in den Deckel kleben müssen). Meistens genügen 2 oder 3 Streifen. Und die Streifen bringe ich dort an, wo das Piano möglichst wenig empfindlich ist, also am besten an einer Stelle, wo keine Bedienknöpfe hervorstehen, die leicht beschädigt werden können. Gesunder Verstand ist hier der beste Ratgeber. Denn jedes Keyboard ist schließlich anders.

Zum Schluss noch ein paar Fotos von dem fertigen Case. Und dann noch die Stichfrage, um herauszufinden, ob alle in dieser Lektion gut aufgepasst haben: Nennen Sie meine 4 Lieblingsbiere?

   

 

   

 

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